Nach drei erholsamen Eingewöhnungstagen heißt es Abschied nehmen vom liebgewonnenem MonteVista Hotel, in welchen wir in der Nacht auf Samstag die einzigen Gäste waren und weiter geht’s auf der spektakulären R62 bei knapp 40 Grad über Barrydale, Ladysmith und Calitzdorp nach Oudtshoorn. Gut 250 km liegen vor uns und einen Abstecher haben wir auch noch im Plan. In Barrydale werfen wir einen Blick in einen Künstlerladen, in dem es vor fantasievollen, bunten und zumeist doch recht schrägen Ausstellungsstücken nur so wimmelt … auch das ausführliche Pläuschen mit dem Künstler macht viel Spaß. Noch verrückter geht es ein paar Kilometer weiter im weltberühmten Pflichtstop auf der Strecke zu: Ronnies Sexshop. Was dort so alles von der Decke hängt ist schon beeindruckend, ebenso die Klientel und Ronnie selbst. Wir hinterlassen lieber keine Visitenkarte, ein Platz dafür wäre auch nur schwerlich zu finden gewesen. In Ladysmith sind schon mittags – es ist zudem Sonntag – die (fehlenden) Bürgersteige erst gar nicht heruntergeklappt, so dass wir gleich weiter zum geplanten Abstecher nach Seweweekspoorts in die Swartberge machen. Schotterpiste mit toller Kulisse … wir sind sicherlich mehr begeistert als unser Ford Tiggo, der mächtig Staub schlucken muss.
Ohne TitelSeweweekspoortSeweweekspoort
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was uns dann aber in der Unterkunft in Oudtshoorn erwarten sollte, ist ein weiteres Kapitel in diesem Reiseblog schuldig …und kommt umgehend 👍
Unser erstes Etappenziel Montagu liegt in der Kleinen Karoo und die macht ihrem Ruf einer halbtrockenen Wüste alle Ehre. Das Thermometer steigt deutlich über 30 Grad, aber es geht ein ständiger warmer Wind und ohne jegliche Schwüle lässt es sich gut aushalten. Und im Auto mit Klimaanlage lässt sich die Umgebung bequem erkunden. Zahllose Weingüter in Tälern aktuell fast ausgetrockneter Fluss- bzw. Bachverläufe prägen die Landschaft. Überall sorgen kleine Wasserreservoire für die nötige Bewässerung und lassen die überwiegend weißen Trauben sprießen. Die kleinen Orte zeigen die landestypischen Unterschiede auf: stattliche gepflegte Anwesen der weißen Bevölkerung und im Gegensatz dazu die armen Hütten der Farbigen, die zumeist vermüllt, ungepflegt und auf engstem Raum einen erschreckenden Eindruck machen. Charme und Tristesse sind oft nur durch wenig Wegstrecke getrennt.
Die R62 beginnt kurz vor Montagu im Bereich des Kogmanskloof Passes ihrem Namen als Panoramastraße gerecht zu werden. Unser MonteVista Boutique Hotel mit seinen zehn Zimmern und Bed and Breakfast Flair ist genau die richtige Bleibe für die ersten drei Tage. Wir genießen die Ruhe, das herrliche Frühstück und die abendlichen Restaurants. Tagsüber geht es zur Bosjes Breede Valley Farm und ins Weingut Leipzig, wo es einiges zu sehen und natürlich auch zu probieren gibt.
Herma hat übrigens ihre Farm in Afrika gefunden, so wie sie sich es immer vorgestellt hat. Sie heißt Die Stal, liegt ca. 10km nördlich von Montagu und bietet leckere Delikatessen zum Lunch oder Nachmittagskaffee. Die Welt ist oft klein! Unter den gut zehn Gästen ist übrigens Hans-Hermann früherer Bereichsvorstand von Siemens München, den HH auch prompt anspricht und ein Pläuschen hält. Und wie es der Zufall will treffen wir ihn und seine Frau wieder als sie abends aus dem gegenüberliegenden Restaurant kommen. Diesmal verabredet man sich aber schnell auf ein Bier und es werden Erinnerungen an die alte Siemens Zeit, aber vielmehr Tipps über Südafrika ausgetauscht.
Minus 10 Grad zeigt das Thermometer in München als es am Mittwochnachmittag per S-Bahn los geht. Das zwingt uns 2 dicke Jacken mitzuschleppen, da die Gepäckaufbewahrung im Münchner Flughafen Wucher ist. Das Gate ist im Terminal 2 und zwar in einem Satelliten. Den kennen wir nicht und dass es auf dem Münchner Flughafen sogar einen Shuttle Train gibt, ist uns gänzlich unbekannt.
Die Lufthansa Lounge ist gut besucht, dennoch können wir zwei bequeme Ledersessel für uns ergattern. Pünktlich sind wir beim Checkin und der freundliche Empfang mit Avionic und Snack im Lufthansa Airbus A350 – 900 hebt die Urlaubsstimmung zusätzlich. Etwas neidisch schauen wir auf den Schwester Flieger nach Kapstadt, der restlos ausgebucht 5 Minuten vor uns in die Luft geht und uns die Umsteigerei in Johannesburg erspart hätte. Also folgen wir im großen Bogen quer über die Stadt dem südlichen Kurs, genießen das reichhaltige und vielfältige Essen, welches wieder keinerlei Wünsche übrig lässt. Der Service ist erstklassig, wir werden mit Namen angesprochen und immer wieder überredet, bei den kulinarischen Köstlichkeiten oder Drinks nicht Nein zu sagen. Voll gefuttert fällt das Schlafen dann doch schwer, zumal heftige Turbulenzen durch die bis in unsere Flughöhe reichenden Gewitterwolken gepaart mit vielen Blitzen und dem roten Aufflackern der Positions-Lampen auf den Flügeln hinter uns eine gespenstige und nicht gerade wünschenswerte Kulisse darstellen.
Nach exakt 10 Stunden Flug landen wir planmäßig in Johannesburg, müssen ewig auf unser Priority Gepäck warten, durch die Passkontrolle und einen endlos langen Gang durch den Flughafen zum Weiterflug zurücklegen. Mit South African Airlines geht es pünktlich weiter und gegen 11:30 Uhr erreichen wir das Ziel unserer Reise Kapstadt. Übrigens mit dem Tafelberg mal wieder in Wolken …Das Gepäck ist sofort da und der Schalter der Autovermietung schnell gefunden. So ganz einfach ist die Umstellung auf den Linksverkehr trotz gewisser Erfahrung dann aber doch nicht, aber der Ford Tiggo ist pflegeleicht und der Verkehr einigermaßen ruhig und wir kommen zügig voran. Zum Ziel Montagu sind es ja auch noch 180 km. Herma gelingt es, zunächst Apple CarPlay, dann die Navigation über Google Maps zu aktivieren und wir finden den Weg ohne Probleme. Mit jedem gefahrenen Kilometer wird der Verkehr ruhiger und die Landschaft eindrucksvoller. Das stilvolle MonteVista Boutique Hotel ist dann die verdiente Belohnung einer weiten Anreise.
WinterlichReiselustigInformativGeniessendTypisch mit MauernDennoch preiswert PausierendAngekommenGemütlich
Im Januar ist es wieder soweit. Es geht gen Süden und dieses Mal richtig weit …
Wir fliegen am Mittwoch, den 7. Januar von München via Johannesburg nach Kapstadt, um drei Wochen dem naßkalten, deutschen Wetter zu entfliehen. Am Flughafen steht ein Mietwagen. bereit, der uns durch das Weinland rund um Stellenbosch nach Montegu fährt.
Dann geht es über Oudtshoorn durch die Kleine Karoo nach Plettenberg und anschließend mit Zwischenstop in Knysa und Swellendam über die Garden Route zurück nach Kapstadt. Hier möchten wir wieder einige Tage im herrlichen Camps Bay verbringen und es stehen einige Tagesausflüge (Kap der Guten Hoffnung, Chapman`s, Peak Drive, …) auf dem Programm. Nach einem Abstecher in den Norden nach Paternoster ist dann für den 27.Januar der Nonstop-Rückflug nach München geplant.
So, jetzt wird wir wieder wohlbehalten in Bielefeld zurück.
Die Versteigerung der Business Seats hat erwartungsgemäß nicht zum Erfolg geführt. Laut Personal am Check-In hätten auch gar keine Plätze zur Verfügung gestanden.
Also machen wir es uns in der recht vollen Premium Economy Klasse bequem, freuen uns darüber, dass der Rückflug von Seattle nach Frankfurt nur 9 Stunden dauert und damit 3 Stunden kürzer als unser Hinflug nach Las Vegas ist. Ist aber doch recht nervig, weil es ein Nachtflug und man eigentlich nicht richtig müde ist. In Frankfurt kriegen wir zügig den Zug, der uns via Düsseldorf nach Bielefeld bringen soll. Somit scheint alles gut zu klappen: Abgabe Mietwagen, Transfer zum Flughafen, Flug mit Alaska Airlines (übrigens sehr expandierend und guter Service), angenehmer Condor-Flug mit neuem A330 Neo nach Frankfurt , pünktliches Umsteigen in den Zug, …. wenn da nicht die Deutsche Bahn wäre. Kurz vor Hamm erfahren wir von unberechtigten Personen auf den Bahngleisen bei Neubeckum (!) mit dem Hinweis, die Weiterfahrt würde sich voraussichtlich um 60 Minuten verzögern. Letztendlich muss aber doch jemand die Person(en) vom Gleis gescheucht haben, so daß wir mit ca. 45 Minuten Verspätung relativ abgekämpft wieder gut zuhause eintreffen !
Bleibt als Resümee, dass es eine tolle Reise mit vielen Eindrücken, Erlebnissen und Einsichten in den American Way of Life war. Und um die Ausgangsfrage zu beantworten: Great ist das Land, was Landschaft und Natur – speziell in Südwesten – angeht, crazy das Verhalten vieler seiner Einwohner und deren Vorlieben und Gewohnheiten. Wir können das aber nur bedingt beurteilen, denn Las Vegas ist natürlich überhaupt nicht repräsentativ. Das alles teurer (speziell Benzin und Nahrungsmittel) und manches komplizierter geworden ist, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Die Amis erwarten Besserung durch Trump. Ob das was wird und wenn überhaupt zu wessen Lasten, muss die Zukunft zeigen.
Wir haben fertig mit dem Grand Canyon, seinen Schluchten, Felswänden, Licht- und Schattenwechseln, genießen ein Abendessen im Saloon des Hotels und am nächsten Morgen geht es weiter – eigentlich aber doch zurück nach Las Vegas. Wir treffen nach 55 Meilen südwärts in Williams auf die Route 66 und haben Spaß am kitschigen Ambiente. Der Bahnhof, die Hauptstraße, die alten Motels und Tankstellen erinnern an bessere, lebhaftere Zeiten.
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weiter geht’s es über Interstate 40 jetzt in Richtung Westen, noch 429 Meilen bis Los Angeles, aber soweit wollen wir ja nicht. In Kingman, dessen Existenz auf dem Zusammentreffen zweier Highways basiert, herrscht reger Verkehr und viel Betrieb in seinen zahllosen Fastfood Läden und Tankstellen. Wir verlassen die 40 und nehmen Kurs auf Nevada, den Hoover Dam und Las Vegas. Die Amis sind stolz auf ihren in den 30er Jahren gebauten Staudamm des Colorados und den dadurch entstandenen Lake Mead. Das alles war Voraussetzung für das Wachstum des heutigen Las Vegas. Nach Durchqueren einer recht gründlichen Sicherheitskontrolle kann man mit dem PKW den Damm befahren und hat einen guten Blick auf Damm, Brücke und See. Wir nehmen uns Zeit auch mal über die Brücke zu laufen. Ist schon recht beeindruckend: auf der einen Seite des Weges geht es tief runter zum spärlichen Weiterfluss des Colorados auf der rechten Seite zwei Meter neben einem befinden sich die Fahrspuren des Highways mit den dahin bretternden Trucks.
Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Hotel, das La Quinta in Las Vegas, Nähe Airport. Wegen des Veteranen Feiertags am Montag ist es ein Wochenende mit völlig überteuerten Raten für die Hotels. Wir müssen fast 300$ für Mittelklasse zahlen. Unser Fontainbleau hätte weit über 700$ für die Nacht gekostet. Aber jetzt mal gucken, wo wir morgen den Wagen zurückgeben müssen und anschließend über den Strip hin und her cruisen…. Das ist zumindest unsere Idee und klappt anfangs auch. Aber mit Erreichen des ersten Hotels, dem Mandalay wird der Verkehrsfluss immer zäher, kommt nahezu zu Erliegen. Wir sind nicht die einzigen, die den Strip spaßeshalber fahren wollen. Scheinbar ist es das Wochenende der Autofreaks. Oldtimer und insbesondere nach oben ausgefahrene Pickups mit illuminiertem Unterbau, Freaks und Girls auf der Ladefläche, ohrenbetäubender Sound-Anlage bilden eine scheinbar nicht enden wollende Polonaise.
Nach ca. Eineinhalb Stunden zähem, zentimeterweisem Vorwärtskommen geht es uns mehr und mehr auf die Nerven. Wegen gesperrter Straßen kommen wir auch nicht durch Seitenstrassen vom Strip ab. Endlich geschafft, suchen wir unsere Lieblingskette Olive Garden auf, wo wir leider auch nicht allein sind. Durchgekämpft durch die an der Tür Wartenden, wird uns eine Geduldszeit von 60-75 Minuten in Aussicht gestellt. Dann doch lieber zu einem thailändischen Lokal in der Nähe. So haben wir noch einmal die unbeschreibliche Betriebsamkeit, Hektik dieser Stadt zu spüren bekommen. Recht erschöpft beziehen wir unser ruhiges Motelzimmer, eine letzte Nacht bevor es via Seattle mit Condor zurück nach Frankfurt geht.
Jetzt sitzen wir hier in Seattle auf dem Airport, die Rückgabe des GMC nach 1900 gefahrenen Meilen, der Flug mit Alaska Airlines, alles war problemlos und angenehm. In 3 Stunden geht es weiter… ob ‚nur’ in der Premium Economy oder vielleicht in der Business Class hängt von der Versteigerung der Plätze ab. Noch steht unser Angebot…aber wie lange noch?
Wir erreichen den Grand Canyon – von Osten kommend – am Desert Point View. Wer schon einmal da war, kann sich sicherlich an den Turm und an den faszinierenden ersten Blick auf dieses Naturwunder erinnern. Majestätisch, nahezu irrational, den Atem raubend tut sich der Canyon vor einem auf … die Dimensionen sind unfassbar! Desert View bietet im Gegensatz zu vielen anderen Aussichtspunkten einen guten Blick auf den tief unten fließenden Colorado River. Hier am südlichen Rim des Canyon schlängeln sich zahlreiche Viewpoints aneinander, von denen wir noch zwei, den Novajo und den Lipan Point ansteuern, bevor wir uns auf den Weg zu unserem Grand Canyon Grand Hotel machen. Wir checken ein, aber nach kurzer Ruhe zieht uns der Grand Canyon zum Sonnenuntergang wieder magisch an.
Grand Canyon
Also fahren wir wieder in den Park hinein und parken unseren GMC, um das Lichtspektakel am Yavapai Point zu erleben und zu genießen. . Der Besucherandrang hält sich nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Temperaturen sehr in Grenzen. Und wir haben auch das Glück, das vereinzelte Wolken zusätzliche Effekte auslösen. Wir laufen den Rim lang und pausieren immer wieder für neue Eindrücke und wechselnde Bilder der in unterschiedliche Farben getauchten Canyonränder. Zu guter Letzt treffen wir noch auf eine kleine Herde von Steinböcken, die – gewöhnt an die Besucherströme der Hauptsaison – sich nicht beeindrucken lassen und gern Fotomotive abgeben.
Abends sind wir enttäuscht vom kulinarischen Angebot. Uns bleibt eigentlich nur das Steakhaus, welches seinem Namen aber wenig Ehre macht. Überteuert und qualitativ allerhöchstens mittelmäßig erfüllt es unsere bereits heruntergesetzten Erwartungen nicht. Besser ist da das Grand Hotel in guter Lage in Tusayan ( also unmittelbar vorm Eingang zum Park) mit seinem rustikalen Ambiente und geräumigen Zimmern. Das gefällt uns!
Am nächsten Tag stehen die übrigen Viewpoints auf der Agenda. Wir fahren direkt zum Village, laufen wieder den Rand des Canyons ab, gönnen uns eine Kaffeepause in der Bright Angel Lodge, die wir noch gut aus vorherigen Besuchen des Canyons kennen. Aber sonst hat sich vieles verändert, neue Unterkünfte sind entstanden, wo man früher noch teilweise mit dem Auto hinfahren konnte, fahren jetzt Busse im 10-Minuten Takt. Auch die Wege in den Canyon hinein – früher berüchtigt – erscheinen uns breiter und besser ausgebaut. Mulis scheint es noch zu geben. Sie waren einst das Haupttransportmittel, um weitgehend trittsicher, die fussfaulen, aber mutigen Reiter in die tiefen Schluchten hinab- und natürlich wieder hinaufzutragen. Der heutigen Sonnenuntergang – erlebt am Great Overview Point ist weniger spektakulär weil der blaue Himmel sich ohne jegliche Wolke präsentiert, was die Schattierungen diesmal weniger beeindruckend ausfallen lässt.
Am späten Nachmittag haben wir noch eine nette Begegnung mit einer Gruppe Damwild, die vor uns meint, die Straße überqueren zu wollen…
Ich habe doch gleich gesagt, wir sind in der falschen Straße …..
Frisch gestärkt durch das ausgezeichnete Frühstück machen wir uns auf in Richtung Süden. Das erste Zwischenziel ist der südliche Teil des Canyonlands N.P. mit seinen charakteristischen Needles. Fast 50 zusätzliche Meilen in nur einer Richtung kostet dieser Abstecher und im Vergleich zum nördlichen Teil nehmen nur sehr wenige Besucher den Aufwand in Kauf. Der Teil ist zudem deutlich weniger spektakulär, aber dennoch eine Visite wert zumal wir diesem Teil des Parks früher noch keinen Besuch abgestattet haben. An die Needles kommt man nicht richtig heran, es sei denn man nimmt einen sehr, sehr langen Trail in Angriff. Dennoch gibt es ein paar sehr schöne Ausblicke und abwechslungsreiche Natur zu bestaunen.
Eigentlich wollen wir in Mexican Hat einen Mittagssnack nehmen. Das Kaff im Navajoland stellt sich leider als derartig zurückgeblieben heraus, dass wir umplanen müssen. Ausgestattet mit einem Sandwich aus dem Foodmarket an der Tankstelle legen wir einen weiteren Zwischenstopp am Gooseneck Point ein. Dort fährt nichts ahnend durch eine ebene Steppenlandschaft und erreicht plötzlich aus heiterem Himmel diesen fantastischen Viewpoint oberhalb des mäandrierendem San Juan River. Er windet sich hier gleich in zwei parallelen Schleifen durch die Landschaft.
Noch mehr Flair des amerikanischen Südwesten verspürt man mit jeder Meile mit der man sich dem Monument Valley nähert. Die Landschaft wird mehr und mehr durch rote Tafelberge und Felsentürme geprägt. Da unser Pass für das Valley nicht gültig ist, verschieben wir den Besuch auf den nächsten Tag und lassen es im ruhigen Kayenta – einem verschlafenen und wenig einladendem Kaff – mal ruhig angehen. Das Hampton Inn gefällt uns wesentlich besser als die letzten zwei Best Western und das Preis- Leistungsverhältnis beim Abendessen ist auch gut. Es ist auch Wahltag in den USA und wir verfolgen das mit Spannung erwartete Duell zwischen Trump und Harris mit Interesse. Schon bald kristallisiert sich ein Wahlerfolg von Donald Trump heraus, was aber unserer guten Reisestimmung keine Abbruch tut. Mehr und mehr müssen wir aber feststellen, das jetzt Anfang November der Winter im Navajoland Einzug hält. Abends peitscht der böige Wind den Schnee am Fenster vorbei, die Temperatur fällt deutlich in den Frostbereichund die braune Landschaft nimmt weiße Züge an.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück heißt es erstmal, das Auto vom angefrorenen Schnee freizukratzen. Wir stellen fest, das wir die dafür benötigten Utensilien uns erstmal im Hotel besorgen müssen, denn der Autovermieter hat nichts Verwertbares im Auto hinterlegt. Auch sind die Bereifung und der fehlende Vierradantrieb nicht gerade die besten Voraussetzungen für die anstehende Fahrt zum und durch das Monument Valley. Zum Glück bessern sich Wetter und Strassenbedingungen auf dem knapp 30 Meilen langen Weg dahin und im Tal kommt sogar bei -1C die Sonne heraus. Die Strassenbedingungen sind gegenüber unseren ersten Besuchen nochmals schlechter geworden. Die ansässigen Indianer wollen ja auch ihre Touren vermarkten und raten zudem dringend von eigenen Fahrten, insbesondere ohne 4×4 Antrieb ab. Wir machen uns aber unverdrossen auf die Hoppelstrecke voller Sand, Steine und tiefen Schlaglöchern und Spurrillen. Die ca. 1,5-stündige Rundtour ist sicherlich nicht rücken- und Stoßdämpfer schonend, aber voller Erlebnisse und Eindrücke. Das Wetter spielt mit und Sonne /Wolken bieten den passenden Rahmen.
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Mit dem eigenen Auto wären wir dort sicherlich nicht durchgefahren. Wieder über Kayenta geht die weitere Strecke – zunächst mit winterlichen Bedingungen – nach Tuba City. Der Wetterbericht hat uns für das heutige Reiseziel, den Grand Canyon, Sonne versprochen und tatsächlich reist der Himmel auf und binnen weniger Minuten haben wir tiefblauen statt grauen Himmel …
An der Stelle muss nochmal die Verärgerung über eine unschöne Entwicklung in Amerika zum Ausdruck gebracht werden. Heutzutage haben die meisten Motels / Hotels fast nur noch Zimmer mit Frühstück. Bei unseren früheren Urlauben checkten wir aus und steuerten als erstes eine Lokalität zum Frühstücken an. Die war manchmal ein reiner Coffee-Shop, oft aber auch ein Family Restaurant mit nahezu Rund-um-die-Uhr-Betrieb. Wie noch im Peppermill in Las Vegas erlebt, kümmern sich redselige Kellnerinnen eifrig darum, dass man genug Kaffee und ein vollumfängliches Frühstück bekommt. Schon die Bestellung mit den sich wiederholenden Fragen, wie die Eier, der Toast, die Beilagen oder die Art des Kaffees sein sollen, machen Appetit und lockern auf. Davon ist heute nichts mehr übrig. Das niveaulose und geschmacksarme Frühstück ist in allen Motels und Hotels nahezu identisch. Ein Person, mal zwei sorgen für scheinbar nie endenden Nachschub am in Plastik eingepackten Massensortiment.
Die Amis mögen das scheinbar, complimentary also im Zimmerpreis einbegriffen, schnell und soviel man will und kann. Am Ende sieht der Tisch dann wie eine Müllhalde an Plastik aus. Vom Teller bis zum in Plastik eingepackten Plastikmesser …. Schnell alles zusammenschieben und ab damit in die großen Müllcontainer, die alles schlucken!
Aber das machen wir heute mal wieder nicht mit. Wir pfeifen auf das Frühstück ‚umsonst‘ und gehen lecker frühstücken in einen nahegelegenen Coffeeshop mit dem Namen Cactus Jacks. Dort gibt es alles, was unser unser Herz begehrt – und das ganze preislich überschaubar. Solche Lokalitäten sind hier auf der Strecke einfach wesentlich preiswerter als in den Städten wie Las Vegas. Hier in Moab kosten der Kaffee / Person z.B. 3$, in Vegas haben wir stolze 6,25$ bezahlt. Mit dem obligatorischen Trinkgeld von 20% ist man aber auch in der Provinz schnell bei 50$ für zwei.
Am ersten Morgen in Moab, Utah, ist der Himmel verhangen und es regnet leicht. Wir frühstücken im Best Western weil es inklusive ist und recht schnell geht. Von Gemütlichkeit keine Spur, 100% Selbstbedienung, alles in und aus Plastik, deren Reste wir selbst im Papierkorb entsorgen dürfen. Ach was war das früher schön, als die Motels noch kein Frühstück anboten und man den Morgen stimmungsvoll mit einem typisch amerikanischen Breakfast startete. Wir geloben Besserung für die nächsten Tage und wollen uns das alte Feeling zurückholen.
Von Moab zum Arches N.P. sind es nur wenige Meilen, Die Tafel ein gutes Stück vorm Eingang : ‚Hier warten Sie noch 60 Minuten‘ lässt uns für die Hauptreisezeit Übles erahnen. An einem regnerischen November ist Wartezeit natürlich kein Thema und somit sind wir ruckzuck im Park. Wir erfahren, dass Regen in solch einer Naturlandschaft auch Mystisches bewirken kann. Wir durchfahren den gesamten Park und – als es aufhört zu regnen – laufen wir am Devil‘s Garden einige Aussichtspunkte und Steinbögen (Arches) ab, die überall im Park die Besucher in ihren Bann ziehen und ihm den Namen geben. Aber auch von den Straßen aus, die sich spektakulär durch den Park winden, gibt es viel zu sehen und zu bestaunen. Mächtige Felsformationen, versteinerte Dünen, der berühmte Balanced Rock wirken auch in der Nässe und dem leichten Nebel spektakulär und wollen am nächsten Tag – dann bei Sonnenschein – nochmal in Angriff genommen werden.
Und tatsächlich das Wetter hält sich an die Prognose und am nächsten Morgen treibt uns die pure Sonne früh aus dem Bett. Es steht wieder viel auf dem Programm. Darunter muss nochmal das Frühstück leiden, aber zunächst Canyonlands, Dead Horseshoe Point und später Arches zum Sonnenuntergang wollen erstmal geschafft werden…
Canyonlands ist ca. 30 Meilen von Moab entfernt. Bevor wir dort ankommen, wird aber der Abstecher zum Dead Horseshoe gewählt: dieser gewährt einen spektakulären Blick von weit oberhalb auf den sich in einem Canyon windenden Colorado River. Whow! Atemberaubend…
Weiter geht es in den nördlichen Teil des riesigen Canyonlands N.P. Hier heißt es: Laufen zum Upheaval Dome und Green River Overlook. Wir genießen die Views ohne die großen Besucherströme der Hauptreisezeit, zumal auch die Sonne für angenehme Temperaturen sorgt.
Und auch Arches N.P. präsentiert sich von seiner schönsten Seite. Wir sind fasziniert von der tiefroten Färbung der Felsformationen, die sich jetzt in der spätnachmittaglichen Sonne ganz anders präsentieren als am gestrigen Regentag. Im Hintergrund thronen die von der Abendsonne angestrahlten, schneebedeckten La Sal Mountains. Wir laufen zu später Stunde den kurzen Trail zum Delicate Arche Viewpoint. Dieser recht isoliert stehende Steinbogen ist auch das Staatssymbol Utahs. Am Abend gehen wir ins Desert Bistro, einem netten und gemütlichen Restaurant und die kulinarischen Genüsse ergänzen der herrlichen Reisetag. Für morgen nehmen wir uns ganz fest vor, wieder einmal klassisch amerikanisch zu frühstücken – in einem Coffeeshop mit Eggs, Bacon, Hashbrowns, Toast, Jam und Kaffee zum Abwinken.