Kangaroo Island – verbranntes Paradies

Wir fahren auf leeren Straßen die kurze Distanz von Victor Harbour nach Port Jarvis. Der recht trostlose Ort wäre ohne jegliche Bedeutung, wäre er nicht der Fährhafen zu Kangaroo Island. Wir sind auf die 11.30 Fähre gebucht: 30 A$ pro Person und 200 A$ für unseren Tiguan – nicht gerade preiswert (175€ umgerechnet), aber immerhin für hin und auch zurück. Dafür wird man von sechs Mann unterstützt, mm-genau einzuparken. Gut 45 Minuten dauert die Überfahrt durch die oft stürmische Backstair Passage, die sich heute jedoch recht friedlich zeigt.

Kangaroo Island erwartet uns mit einem heftigen, anhaltenden Wolkenbruch. Gut – nun sind auch die letzten Glutnester der verheerenden Wald- und Buschbrände gelöscht. Fast die Hälfte der ca. 150 km langen und ca. 50 km breiten Insel ist von den Feuerwalzen verwüstet worden. Militär, Feuerwehr, Ambulanzen sind immer noch gegenwärtig. Ab der Mitte der Insel sind alle Straßen in Richtung Westen gesperrt. Die Aufräumarbeiten werden sich noch wochenlang hinziehen. Dennoch werden Besucher wie wir gern gesehen, der Tourismus und die damit verbundenen Einnahmen liegen brach und müssen neu angekurbelt werden.

Bei einer unserer Fahrten auf der Insel durchqueren wir kilometerlang verbrannte Wald- und Buschflächen. Oft verspüren wir ein Endzeitszenario. Verkohlte Baumstämme und -Äste bestimmen das Bild. Viele sind umgestürzt oder nach dem Feuer gefällt worden, um nicht auf die Straße zu stürzen. Wir erkennen auch Schneisen, die geschlagen worden sind. Meist vergeblich, denn die Feuerwalze konnte bei den herrschenden Winden nicht gestoppt werden. Die Reste der auf der Insel stark verbreiteten Riesenfarne ist das einzige, was neben den Bäumen nicht komplett verbrannt ist. Sie sind war kräftig gestutzt, zeigen aber überraschend immer noch, oder schon wieder grüne Ansätze.
Die Chefin unseres Motels ist ein Beispiel für die Hartnäckigkeit und dem Mut, mit dem die Menschen den Wiederaufbau angehen. Die Farm ihrer Familie ist komplett verbrannt. Sie erzählt das ohne erkennbare emotionale Regung. Das überrascht und beeindruckt uns sehr …

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