Das Paradies am Paradies

Wir verabschieden uns von den Piguinen auf Phillip Island und die Fahrt geht weiter nach Foster, dem kleinen Ort nördlich des Wilson Promotory Nationalparks. Da das Wetter schlechter werden soll, entscheiden wir uns, die Unterkunft erst später aufzusuchen und fahren die ca. 50km in den Park hinein bis die Straße bei Tidal River endet. Wir genießen einen Strandspaziergang am breiten Norman Beach, fahren ein paar Aussichtspunkte an, während langsam mehr und mehr Wolken vom Land her aufziehen.

Zurück in Förster gibt es noch eine kurze Kaffeepause, bevor wir uns auf den Weg in die Unterkunft für die nächsten drei Tage machen. Llarrinda Bed&Breakfast heißt sie, liegt ca. 10km abseits des Ortes und versteckt sich auf einer langgezogenen Hügelkette in den jetzt tief liegenden Wolken. Kaum erreichen wir auf dem parkähnlichen Grundstück das Wohnhaus, werden wir von unserer Gastgeberin Linda auf das Herzlichste begrüßt. Der Auftakt eines einzigartigen Aufenthaltes ….

Norman Beach im Wilson Prom N.P.

Linda zeigt uns ihr wunderschönes Haus: Terrasse, Wohn- und Essbereich mit Kamin, wo das Frühstück serviert wird und wo wir uns gern aufhalten können. Unser großes Zimmer hat zu drei Seiten Fenster. Normalerweise, sagt Linda, hätte man von hier aus einen wunderschönen Blick über den gesamten Wilson Prom. Nationalpark. Davon ist im Moment aber nichts zu sehen, denn immer neue Wolken ziehen über das Haus und der Blick geht keine 50 m weit. Wenig später lernen wir auch Larry kennen. Die beiden haben das Haus vor 20 Jahren gebaut und bieten nach einem späteren Anbau nun ihren maximal vier Gästen in zwei großen Zimmern Unterkunft und Frühstück. Wir liegen mit unseren Gastgebern gleich auf einer Wellenlänge. Die Freundlichkeit, die uns entgegengebracht wird, ist einfach umwerfend. Für den Abend werden wir noch auf ein Gläschen Wein eingeladen und genießen nach einem Abendessen in der nahegelegenen Winzerei noch ein gemütliches Plauderstündchen vor dem von Larry angezündeten Kamin.

Am nächsten Tag ist, wie erwartet, das Wetter weiterhin schlecht. Das traumhafte Frühstück entschädigt uns für den fehlenden Ausblick. Es ist unglaublich, was Linda alles auffährt: eine riesige Portion Fruchtsalat aus dem eigenem Garten, Joghurt mit frischen Passionsfrüchten, selbstgemachtes Bircher-Müsli, Rhabarber, selbst hergestellte Marmeladen, diverse Cerials, Bio Käse und Schinken, dazu Corissants, diverse Toasts und frisch aufgebrühten Kaffee. Wir sind begeistert! Auf der Terrasse genießen neben dem handzahmen Lui, viele Gallahs, Kakadus und andere Vögel das ihnen angebote „Frühstück“. Mit ein wenig Abstand warten mehrere Kookaburras auf ihre Fleischration…

Wir verbringen den Tag mit einem Ausflug zu den nahegelegenen Agnes-Wasserfällen und wandern auf der einstigen Trasse der stillgelegten Victoria-Railway zu einer Farm, die Apfelwein herstellt. Dort werden wird mit 6 verschiedenen Sorten Cidre und einer exquisiten Käseplatte verwöhnt.

Langsam wird das Wetter besser, die Wolken reißen auf und am nächsten Morgen realisieren wir, das wir uns inmitten eines Paradieses befinden. Der Blick vom Panoramafenster unseres Zimmers ist grandios. Gestärkt von Lindas Frühstück und ausgestattet mit tollen Tipps für den Tag fahren wir erneut in den Nationalpark. Dieses Mal machen wir mehrere Walks und genießen die abwechslungsreichen Blicke auf die Strände, die von feinen weißen Sand und großen abgerundeten Felsen an ihren Rändern geprägt sind. Bei angenehmen Temperaturen von etwa 20° und herrlichem Sonnenschein sind die Aufstiege gut machbar und die Spaziergänge am Strand sehr erfrischend.

Nach einem herrlichen Ausflugstag in den Wilson Prom N.P. kommen wir nach Llarrinda zurück, wo wir von Linda bereits erwartet werden. Sie hat extra einen Rhabarbar-Orangen-Kuchen gebacken, weil HH beim Frühstück erwähnt hat, dass er für sein Leben gern Rhabarberkuchen mit Sahne isst. Für die Sahne ist sie dann extra bis Foster zum Supermarkt gefahren …. wir genießen Kaffee und Kuchen und erfreuen uns der Vogelschau, die auf der Terrasse geboten wird. Larry zeigt uns im Garten noch einen kleinen Schwarm Kookaburras und nach dem Abendessen und Einbruch der Dunkelheit bietet er uns eine Pirschfahrt an, um insbesondere Wombats in freier Laufbahn erleben zu können. Wombats sind nachtaktiv, sehen für uns wie große, schwarze „Spanferkel“ mit ein wenig Koala-Einschlag und werden bis zu 35 kg schwer. Bei der über einstündigen Fahrt erleben wir 4 Wombats aus nächster Sicht im Auto- bzw. Taschenlampenlicht. Wir verstehen uns so prächtig mit unseren Gastgebern, das wir den spannenden Tag noch mit dem einen oder anderen Glas Wein beschließen.

Trotz des Weins sind wir am nächsten Tag fit, um frühmorgens den Sonnenaufgang zu erleben. Wir müssen dazu nicht mal aufstehen, denn das tägliche Prozedere spielt sich direkt hinter unser Panoramafenster mit Blick auf Wilson Promotory ab. Fast zwei Tage war nur Wolkennebel hinter dem Fenster und jetzt bietet sich dieser Blick! Bestens gelaunt, das so erlebt zu haben, gehts zum Frühstück. Dann heißt aber leider Abschied nehmen, ziemlich emotional und mit einen paar Tränen in den Augen und dem Versprechen und Wunsch, sich einmal wiederzusehen. Zum Abschied als Stärkung für die Fahrt gibt noch für jeden ein Stück frisch gebackenen Orangenkuchen.

Dann fahren wir zu einer abschließenden Wanderung noch einmal zum Anfang des Parks, um einen besondere Sanddünenlandschaft zu erleben. Wir sind weit und breit allein unterwegs, genießen die zur Küstenlandschaft kontrastreichen Sanddünen, wobei die steigenden Temperaturen, total nervende Fliegen und das mühsame Laufen und Klettern im feinen Sand uns aber ganz schön zusetzen, so dass wir froh sind, nach ca. zwei Stunden wieder im Auto zu sitzen und das nächste Ziel unserer Reise: Melbourne ansteuern zu dürfen.

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